Engpassberufe in Thüringen: Qualifizierte Fachkräfte dringend gesucht: Engpässe in 21 Berufsgruppen

Engpässe in rund jedem dritten Fachkräfteberuf +++ Ein Viertel des Stellenbestands entfiel auf Engpassberufe +++ nur sechs Prozent der Arbeitslosen sucht nach einer Stelle in einem Engpassberuf

15.07.2024 | Presseinfo Nr. 43

Zahl der Engpassberufe sinkt leicht

Die Zahl der Engpassberufe ist in Thüringen im Jahr 2023 leicht gesunken. Das geht aus der jährlichen Fachkräfteengpassanalyse der BA hervor. In 21 Berufsgruppen zeigen sich Engpässe bei der Besetzung offener Stellen. Dies sind 2 weniger als im Jahr zuvor. Auch bei den Berufen die kurz davor sind ein Engpass zu werden – die Berufe unter Beobachtung – ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

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„Der leichte Rückgang bei den Engpassberufen ist aufgrund der rückläufigen Stellenmeldungen nicht überraschend. Aber immer mehr Menschen der geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente. Auch bei einer zuletzt gesunkenen Arbeitslosigkeit können Betriebe ihre freien Stellen oft nicht nachbesetzen, weil Fachkräfte fehlen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden auch in den kommenden Jahren viele gut qualifizierte und erfahrene Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen“, erklärt Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Zu den beschäftigungsstärksten Engpassberufen zählten 2023 vor allem Pflege- und Gesundheitsberufe und Berufe im verarbeitenden Gewerbe sowie Berufe in der Unternehmensorganisation. Technische Berufe waren vor allem im Bereich der Informatik und der Energietechnik betroffen. Außerdem bestanden Engpässe in Gastronomieberufen, im Lebensmittelverkauf oder im Bereich Reinigung. Im Vergleich zum Vorjahr neue Engpassberufe sind unter anderem Köche/Köchinnen, Informatiker sowie Reinigungsfachkräfte. Diese Berufe standen vorher unter Beobachtung. Ganz neu in der Liste sind Fachkräfte in der Körperpflege. Das sind beispielsweise Friseurinnen und Friseure oder Kosmetikerinnen und Kosmetiker. Etwas entspannt hat sich die Engpasssituation bei Fachkräften im Bereich Hochbau oder in der Lagerwirtschaft. 19 weitere Berufsgruppen weisen zwar keinen Engpass aus, stehen jedoch unter Beobachtung, weil sie sich potenziell zu Engpassberufen entwickeln könnten.

Jede fünfte gemeldete Stelle bezieht sich auf Engpassberufe

Im Jahresdurchschnitt waren 2023 rund 37.000 Arbeitsstellen neu gemeldet. 7.800 der neu gemeldeten Stellenangebote richtete sich an Menschen mit einem Engpassberuf. Das diese Stellen schwer zu besetzen sind zeigt der Stellenbestand. Hier sind die Stellen in Engpassberufen auf 25 Prozent angewachsen - es gehen also weniger Stellen ab als dazukommen. Arbeitslose hatten dagegen sehr häufig keinen Engpassberuf. Von den Arbeitslosen suchten nur ca. 6 Prozent eine Beschäftigung in einem Engpassberuf.

Die Engpassanalyse verdeutlicht einmal mehr das Missmatch auf dem Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite halten viele Unternehmen ihre gut eingearbeiteten Fachkräfte und suchen im Zuge des demografischen Wandels weiterhin neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf der anderen Seite droht gerade für unzureichend qualifizierte Menschen eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit.

Methodik und interaktive Analysen

Für die Fachkräfteengpassanalyse werden die Berufsgattungen auf Basis von sechs Engpassindikatoren bewertet. Dazu zählen etwa die Besetzungsdauer gemeldeter Stellen, die berufsspezifische Arbeitslosenquote und die Entgeltentwicklung. Die aktuelle Fachkräfteengpassanalyse, eine vollständige Berufeliste sowie die Indikatoren können in unserem Statistik-Portal werden.

Den dazugehörigen Methodenbericht finden Sie im Dokument Engpassanalyse – Methodische Weiterentwicklung.