Arbeitsmarktprognose für Thüringen 2025: Wirtschaftsschwäche beeinflusst den Arbeitsmarkt

Behrens: „In Thüringen wird mit bundesweit dem höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit und dem stärksten Rückgang an Beschäftigung gerechnet. Wir können mit Qualifizierung und Förderung gegensteuern.“

25.04.2024 | Presseinfo Nr. 65

Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben ihre regionalen Arbeitsmarktprognosen für das Land Thüringen mit verschiedenen Rechenmodellen vorgelegt. In ihrem Mittelwertszenario gehen die Arbeitsmarktexperten davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2025 steigen und die Beschäftigung sinken wird.
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„Insgesamt unterscheiden sich die prognostizierten Trends nicht grundsätzlich von der ostdeutschen, insbesondere wenn man auch die Ober und Untergrenze der Prognosen im Blick behält. Aktuell prägen sowohl die konjunkturelle wie auch die demografischen Faktoren die Entwicklung. Ein Wachstum der Beschäftigung ist darum selbst bei besserer Konjunktur nur noch mit Zuwanderung möglich“, erklärte IAB-Wissenschaftler Dr. Per Kropp.

Sinkende Beschäftigung prognostiziert

Im Jahr 2025 rechnen die Forscher des IAB in Thüringen in ihrem Mittelwertszenario mit durchschnittlich 788.400 sozialversicherungspflichtigen Jobs in Thüringen. Das wären 4.500 Beschäftigte weniger als im hochgerechneten Jahresdurchschnitt 2024 von 792.900 Beschäftigten und entspräche einem Rückgang von 0,6 Prozent. Für den Bundesschnitt prognostizieren die IAB-Wissenschaftler gleichzeitig ein Wachstum von 0,5 Prozent, während die Beschäftigung in Ostdeutschland stagniert.

Das Untergrenzenszenario 

Der IAB-Wissenschaftler geht in Thüringen von einem Rückgang der Beschäftigung in Höhe von -1,8 Prozent aus. Konkret würde das für das kommende Jahr 14.000 Jobs weniger als 2024 bedeuten. Im besten Fall rechnen die Arbeitsmarktexperten mit einem Jobwachstum von 0,6 Prozent. Das wären 5.000 neue Jobs mehr im Jahr 2025 als 2024.

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Markus Behrens, Vorsitzender der BA- Regionaldirektion Thüringen-Thüringen erklärt dazu: „Die aktuelle Wirtschaftsschwäche hinterlässt durch die multiplen Krisen und geopolitischen Spannungen ihre Spuren. Das hat nicht nur die Produktion gesenkt, sondern auch die Schaffung neuer Stellen behindert. Im verarbeitenden Gewerbe, auf dem Bau, in der Zeitarbeit und im Handel hat sich eine negative Entwicklung festgesetzt.“

Arbeitslosigkeit in Thüringen wird steigen

Beim Thema Arbeitslosigkeit zeigen die Rechenmodelle der IAB-Wissenschaftler eine noch größere Bandbreite. In ihrem Mittelwertszenario rechnen die IAB-Forscher für das Jahr 2025 mit durchschnittlich 70.900 Arbeitslosen. Das entspricht einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 5 Prozent (+ 3.400 Personen) im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2024. Bundesweit steigt die Arbeitslosigkeit um 2,2 Prozent, in Ostdeutschland um 3,3 Prozent. Im günstigsten Fall gehen die Wissenschaftler im kommenden Jahr in Thüringen von 63.700 Arbeitslosen aus, dass wären 5,6 Prozent weniger als 2024, in einem ungünstigen Szenario wäre mit 15,7 Prozent höherer Arbeitslosigkeit zu rechnen.

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Zur Einschätzung der Arbeitslosigkeit sagt Behrens: „Die länger dauernde Arbeitslosigkeit liegt deutlich über dem vor-Corona-Niveau. Trotz des Arbeitskräftebedarfes zeigen sich Verfestigungstendenzen. Die Diskrepanz auf dem Arbeitsmarkt zwischen den Qualifikationsniveaus und den Anforderungen der Arbeitsangebote hat zugenommen. Hier müssen wir weiter dranbleiben. Auf der einen Seite die geringqualifizierten Menschen schrittweise durch Qualifizierung an den Arbeitsmarkt heranführen. Auf der anderen Seite mit entsprechender Förderung den Übergang in den passenden Arbeitsplatz unterstützen.“

Die Prognosen und den IAB-Kurzbericht finden Sie hier zum Download:

Kurzbericht https://doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-19.pdf
Regionale Prognosen https://iab.de/publikationen/publikation/?id=14240257